Elea-Fantasy

Elea - Die Weisheit des Drachen

 

 

 Leseprobe

... Nur ein paar Schritte von ihr entfernt blieb er stehen und musterte sie stumm mit einem Blick, der Elea fröstelnd die Schultern hochziehen ließ. Sein entsetzter Gesichtsausdruck war mit einem Schlag einem finsteren und bösartigen Zug gewichen. Eleas Magen fühlte sich auf einmal wie in einer Faust gefangen an. Vielleicht hätte ich doch auf Arabín hören sollen! Ihre Arme begannen zu zittern, als er quälend langsam von Arok abstieg, ohne sie auch nur den Bruchteil eines Moments aus den Augen zu lassen. Plötzlich fühlte sie sich wieder in die Vergangenheit zurückversetzt, als er nach ihrem missglückten Versuch, ihn zu töten, mit seiner hasserfüllten, nichts Gutes verheißenden Miene Todesangst in ihr hervorrief. Dennoch gelang es ihr, den Bogen zu heben und auf ihn mit zitternden Armen zu zielen. Diese Geste schüchterte ihn jedoch nicht im Geringsten ein. Er kam selbstbewusst auf sie zu geschlendert. Nicht einmal seine Hand ruhte auf dem Heft seines Schwertes. Auch wenn sein Gesicht nicht mehr die Spur von Angst verriet, so konnte Elea deutlich erkennen, dass auch seine Brust sich schnell und kräftig hob und senkte. Wenige Schritte vor ihr blieb er stehen – immer noch ohne eine Wort an sie gerichtet zu haben. Elea fasste sich schließlich ein Herz und begann, mit brüchiger Stimme zu spechen. „Maél, ... was ist los mit dir? Erkennst du mich nicht wieder? Ich bin es ... Elea.“ Seine Augen weiteten sich vor Bestürzung – aber nur für den Bruchteil eines Augenblicks. „Oh doch! Ich kenne dich. Ich kenne dich aus meinen Träumen. Du bist die Mörderin meiner Mutter. Du hast sie getötet, als ich noch ein Junge war.“ Elea wollte ihren Ohren nicht trauen. Stammelnd entgegnete sie ihm: „Ich ... äh soll ... was sein? Die Mörderin deiner Mutter?“ Elea senkte vor Fassungslosigkeit den Bogen. Maél rührte sich nicht. „Dass die Mörderin meiner Mutter und die Hexe, die mich verzaubert, mein Gedächtnis ausgelöscht und mein Leben zerstört hat ein und dieselbe Person sind, hätte ich niemals für möglich gehalten. Allerdings... wenn ich länger darüber nachdenke, dann ist es wiederum doch nicht so weit hergeholt.“

Elea hatte Mühe, klar zu denken, so entsetzt war sie über diese Anschuldigungen. Wenn seine Stimme nicht so eiskalt geklungen hätte und seine Haltung nicht unverändert bedrohlich gewirkt hätte, hätte sie über die Absurdität seiner Vorwürfe laut hinausgelacht. Aber ihr war alles andere als zum Lachen zumute. Irgendetwas stimmte tatsächlich nicht mit ihm. Und Elea wusste auch, wer dafür verantwortlich war. Sie machte einen Schritt zurück, während sie sprach. „Wie soll ich denn deine Mutter getötet haben?! Ich bin achtzehn Jahre alt. Und wie alt bist du? Einige Jährchen älter jedenfalls. Siehst du das nicht selbst?“

„Ich kann dir leider nicht sagen, wie alt ich bin. Dafür hast du gesorgt. Mein Leben begann erst vor drei Monden.“ Maéls vor Sarkasmus triefende Stimme ging Elea durch Mark und Bein. Was hatte Darrach nur mit ihm angestellt? Elea sah hilfesuchend zum Himmel hoch. Arabín kreiste über der Kuppe des Hügels, auf der Darrach von seiner schützenden Energiehülle umgeben inzwischen angekommen war.

„Dein Drache kann dich jetzt auch nicht mehr retten. Schlimm genug, dass du meine Mutter getötet hast und meine Erinnerungen an mein altes Leben ausgelöscht hast. Dass du jetzt auch noch der Grund dafür bist, dass mein neues Leben die Hölle ist, das kann ich nicht zulassen.“ Elea verstand überhaupt nichts mehr. Sie war so verzweifelt, weil sie wusste, dass ihr die Zeit fehlte, ihm die Wahrheit über Darrach zu erzählen. Zumal sie starke Zweifel hegte, dass der Mann, den sie liebte, ihr Gehör schenken würde. „Das sind alles Lügen, die Darrach dir über mich erzählt hat, Maél! Du darfst ihm nicht glauben!“

 

„Schweig still! Darrach hat mich vor dir gerettet. Beinahe wäre es zu spät gewesen.“ Angsterfüllt sah Elea auf Maéls Hände, die er so fest zu Fäusten geballt hatte, dass die Knöchel weiß hervortraten. Alles ging auf einmal so schnell. In dem Moment, als sie sich resignierend darauf konzentrierte, Arabín den Gedanken zu schicken, sie zu holen, machte Maél zwei seiner riesigen Schritte blitzschnell auf sie zu und riss ihr den Bogen aus der Hand. Sie war so überrumpelt, dass sie nicht einmal seine rechte Hand auf sie zuschießen sah, die sie nur kurz darauf mit voller Wucht im Gesicht traf und zu Boden schleuderte. Der brennende Schmerz ließ sie aufschreien. Ein Blutgeschmack breitete sich in ihrem Mund aus. Fassungslos sah sie zu ihm auf. Er hielt immer noch ihren Bogen in der Hand..."

 

Dieser Band wird voraussetzlich ebenso wie Band 1 in vier Teile geliedert sein. Den ersten Teil habe ich bereits fertiggestellt.

Christina Matesic  |  Autor@elea-fantasy.de